Projekt Beschreibung

Doris Wind, geb. 1962, ist im Ruhrgebiet aufgewachsen und lebt nach fast zwanzig Jahren in Berlin und einigen Jahren in Frankfurt am Main heute in Bremen. Ins Berufsleben konnte sie erst sehr spät einsteigen. Denn plötzlich auftretende Panikattacken und Angststörungen massivster Art zwangen sie als junge Frau dazu, sich mit ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen, an die sie sich bis dahin nicht erinnern konnte. Mit einer Kindheit und Jugend, die durch sexualisierte, psychische und physische Gewalt geprägt und fast zerstört wurden. Vor allem das Schreiben rettete sie.

2021-10-07T09:34:15+02:00

Textland, 2.10.2021

Sie weiß nicht, was es bedeutet, Kind in einem positiven Sinn zu sein - beachtet und behütet … Für Doris gibt es den vergewaltigenden Großvater, die schreckliche Mutter und einen wirkungslosen Vater, der den Schutz der Tochter verweigert … Den ersten Ausweg bietet die Sprache. Er führt in Wörterräume, die Zuflucht gewähren. Die Debütantin avanciert auf dem schmalen Brett der hilflosen Selbstrettung als Dichterin von Versen und Dramen. Sie erlebt Anerkennung und Förderung außer der Reihe, doch die Not der Vergewaltigten bleibt unsichtbar in einem toten Winkel des sozialen Rangierens. Die Autorin markiert die „Nichtmerker und Wegguckerinnen“ nur abstrakt. Man ahnt eine alte Fassungslosigkeit … Wie erzählt man den Schmerz aus ursprünglich namenlosen Erfahrungen, die in der unerträglichen Kindergewissheit kulminieren, kein Vertrauen in jene setzen zu dürfen, denen man anvertraut ist?

2021-11-30T10:14:44+01:00

freitag.de, Community, Kultur, 29.9.21

Doris Wind erzählt auch eine Erfolgsgeschichte. Die Geschichte einer Traumatisierten, die sich am Analyse-Schopf aus dem Missbrauchssumpf zieht … Als Autorin baut Doris Wind auf Unmittelbarkeit. Sie macht ihre Leser:innen zu Zeug:innen von Prozessen im Spektrum zwischen Bewältigung und Scheitern.