An die ersten zehn Jahre ihrer Kindheit kann Doris Wind sich lange nicht erinnern. Plötzlich auftretende Panikattacken und Angststörungen massivster Art zwingen die junge Frau mit Anfang 20 dazu, sich mit ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen.

In einer Art bruchstückhaft zusammengesetztem Vexierbild zeigt »Eine unfassbare Sehnsucht« eine sehr persönliche Auseinandersetzung mit einer Kindheit und Jugend, die durch sexualisierte, psychische und physische Gewalt geprägt und fast zerstört wurde.

Was sie rettet, ist die Hilfe von TherapeutInnen und Freundschaften – und das Schreiben. Sie findet die richtige Sprache, um das auszudrücken, was ihr auf der Seele brennt. Auf mehreren Erzählebenen transportiert sie eine vorsichtige Botschaft: Überleben ist möglich, und mehr noch: auch Glücklichsein.

Mit ihrem Buch will Doris Wind Mut machen – und sie plädiert zugleich für eine entschiedene Haltung des Hinsehens.

2021-12-20T11:03:23+01:00

TERRE DES FEMMES, frauenrechte.de, Lesetipps, Dez. 2021

Sie greift zum Stift, sie schreibt. Sie kehrt ihr Innerstes nach außen und teilt sich mit. Davon können alle profitieren: die Traumatisierten und die Nicht-Traumatisierten. Letztere – und dazu zähle ich auch – gewinnen einen Einblick, wie es sich anfühlt, wenn ein Weg zur Arbeit tagtäglich zu einer Mutprobe wird … Was wissen wir von dem Damoklesschwert, das offenbar lebenslänglich über der Traumatisierten schwebt, das soeben mühsam Schritt für Schritt gewonnene Terrain plötzlich wieder zu verlieren? Wenn wir das erkennen, können wir nicht umhin, Traumatisierten voll Bewunderung zu begegnen, wenn sie es geschafft haben, ihr Schicksal nicht nur zu ertragen, sondern auch Wege zu gehen, deren Kraftaufwand einer Gipfelbesteigung gleichkommt.

2021-12-21T14:39:35+01:00

leselustich.com, 19.12.21

Eine unfassbare Sehnsucht hat mich ab Seite 1 gepackt. Und es hat mich zwischendurch immer wieder unsagbar wütend gemacht. Es ist so krank, was Kindern – und natürlich auch Erwachsenen angetan wird … Eine unfassbare Sehnsucht muss gelesen und weitererzählt werden.

2021-12-20T11:09:56+01:00

weltexpresso.de, 17.12.21

Zuerst fällt die Form auf, in der ihr Motto: „Opfer zu bleiben ist keine Perspektive für mich“ uns geradezu anspringt. Es ist sowohl graphisch wie auch beim Lesen wirklich Poesie am Werk … Ja, es ist eindeutig die Form der hingehauchten Worte, die einen dranbleiben läßt … Nie wird einem ihre Geschichte larmoyant, nie geriert sie sich als Opfer. Sie war einfach eines und findet mühselig den Weg, damit umzugehen und gerade zum Trotz eben doch selbst ein gutes Leben zu führen.

2021-10-07T09:34:15+02:00

Textland, 2.10.2021

Sie weiß nicht, was es bedeutet, Kind in einem positiven Sinn zu sein - beachtet und behütet … Für Doris gibt es den vergewaltigenden Großvater, die schreckliche Mutter und einen wirkungslosen Vater, der den Schutz der Tochter verweigert … Den ersten Ausweg bietet die Sprache. Er führt in Wörterräume, die Zuflucht gewähren. Die Debütantin avanciert auf dem schmalen Brett der hilflosen Selbstrettung als Dichterin von Versen und Dramen. Sie erlebt Anerkennung und Förderung außer der Reihe, doch die Not der Vergewaltigten bleibt unsichtbar in einem toten Winkel des sozialen Rangierens. Die Autorin markiert die „Nichtmerker und Wegguckerinnen“ nur abstrakt. Man ahnt eine alte Fassungslosigkeit … Wie erzählt man den Schmerz aus ursprünglich namenlosen Erfahrungen, die in der unerträglichen Kindergewissheit kulminieren, kein Vertrauen in jene setzen zu dürfen, denen man anvertraut ist?

2021-11-30T10:14:44+01:00

freitag.de, Community, Kultur, 29.9.21

Doris Wind erzählt auch eine Erfolgsgeschichte. Die Geschichte einer Traumatisierten, die sich am Analyse-Schopf aus dem Missbrauchssumpf zieht … Als Autorin baut Doris Wind auf Unmittelbarkeit. Sie macht ihre Leser:innen zu Zeug:innen von Prozessen im Spektrum zwischen Bewältigung und Scheitern.